1997 Dinkelsbühl

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Ritt von München nach Dinkelsbühl zum 1. Sternreitertreffen Frankenhöhe in Dinkelsbühl/Lohe

Als wir im Frühjahr 1997 lasen, daß von 13. -15. 6. 1997 in Lohe bei Dinkelsbühl erstmalig ein großes Sternreitertreffen stattfinden sollte, beschlossen wir spontan, daran mit unseren beiden Araberstuten teilzunehmen. Wir wollten von unserem Stall in Allershausen (nördlich von München) losreiten und uns 5 - 6 Tage für die ca. 180 km lange Strecke nach Dinkelsbühl Zeit nehmen.

 

Da wir kein Begleitfahrzeug hatten, also sämtliches Gepäck für eine Woche einschließlich Schlafsack und Ersatzbeschlag am Pferd mitführen mußten, war eine besonders sorgfältige Vorbereitung des Rittes notwendig. Diese hat sich allerdings auf die Wahl der Strecke und die voraussichtliche Einteilung der Tagesetappen beschränkt.

Wochenlang lagen die Karten für die Strecke (1:50.000 vom Landesvermessungsamt) auf dem Wohnzimmerboden, und der Routenverlauf wurde oft überdacht. Hier am Fluß entlang, dann über den steilen Anstieg auf die Anhöhe mit der tollen Aussicht… Die Vorfreude stieg. Unterkünfte wollten wir nicht fest vorbuchen, um uns nicht unnötig einzuschränken. Wir gingen - wie sich herausstellen sollte völlig zu recht - davon aus, daß zwei Wanderreiter mit ihren Pferden überall für eine Nacht freundlich aufgenommen werden.

Die Woche vor dem Ritt verging wie im Flug, bloß das sehr wechselhafte Wetter machte uns Sorgen. 1996 waren wir im strömenden Regen nach Waldmünchen geritten und hatten trotz vieler Wechselwäsche im Begleitfahrzeug das Wetter verflucht. Zudem mußten die neuen Satteltaschen für Susanne noch an den Springsattel angepaßt werden, was unserer Sattlerin Renate perfekt gelang. Der Springsattel übrigens hat schon auf vielen Wanderritten gut gedient und ist sehr bequem, auch wenn mancher Western- oder Militärsattel-Fan anderer Meinung ist (Liebe Grüße an Willi).

Der Ritt

Am Sonntag, den 8. 6. 1997, war es dann soweit. Wir starteten am Vormittag bei etwas regnerischem Wetter in Allershausen (Landkreis Freising) mit unseren Pferden, die zusätzlich zum Sattelzeug noch je knapp 7 kg Gepäck trugen.

Unsere Route führte uns zunächst nach Reichertshausen (Lkr. Pfaffenhofen), wo wir im Gasthof Lindermeier Mittagsstation machten. Vom Maibaum zur Laterne spannten wir unser Lasso und konnten die Pferde zum Grasen anbinden, während wir im Biergarten saßen. Am Abend erreichten wir Waizenried (Lkr. Neuburg-Schrobenhausen), wo wir auf dem Reiterhof Wenger für uns und unsere Pferde gute Unterkunft fanden. Die Pferde konnten auf einem üppig bewachsenen Gastpferdepaddock übernachten und wir uns (als einzige Gäste) im neu ausgebauten Gästematratzenlager erholen. Diese Station ist für Wanderreiter sehr zu empfehlen, zumal die Übernachtung für Pferd und Reiter preiswert und komfortabel ist

Am nächsten Tag durchritten wir bei herrlichstem Wetter den Landkreis Neuburg-Schrobenhausen. Nachdem wir Schrobenhausen links liegen gelassen hatten, tauchten wir in den kühlen Wald ein und trabten auf herrlichen Sandböden dahin, bis wir mittags Langenmosen erreichten. Dort konnten wir vor der Gastwirtschaft der Familie Bader unsere Pferde unter einem schattigen Baum anbinden und wurden selbst üppig bewirtet. Sogar die Polizei kam vorbei und erkundigte sich nach unserem Woher und Wohin. Wir gaben gerne Auskunft, obwohl wir das Gefühl hatten, daß sie uns nicht so recht glaubten.

Anschließend ging es weiter Richtung Bertoldsheim an der Donau, wo wir am nächsten Tag über die Staustufe auf das andere Donauufer wechseln wollten. In Dezenacker (Nähe Neuburg) fragten wir nach einem Nachtquartier für uns und unsere Pferde. Wieder einmal erwiesen sich alle Leute, denen wir begegneten, als außergewöhnlich hilfsbereit. Praktisch auf die erste Frage hin fanden wir einen jungen Bauern, der uns seine Koppel zur Verfügung stellte und uns dann sogar noch sein Auto lieh, um zum Essen in den nächsten Ort Sinning fahren zu können (es war Montag, viele Wirtschaften waren geschlossen).

Am nächsten Tag erreichten wir bald die Donau und genossen die Kühle des Auwaldes, der dort noch völlig urwüchsig und wild wirkt. Nachdem wir bei Bertoldsheim die Donau überquert hatten, luden kilometerlange Wiesenwege zum Galoppieren ein. Lediglich einmal wurden wir durch einen Panzer (!), der direkt vor uns seitlich aus dem Gebüsch brach, gestoppt. Die Bundeswehr führte ausgerechnet hier Geländeübungen durch. Überhaupt ist der Landkreis Donau-Ries wohl bevorzugte Spielwiese der Landesverteidiger: Häufig donnerten Tiefflieger über unsere Köpfe hinweg, was uns im Gegensatz zu unseren Pferden doch etwas störte.

Da wir entlang der Donau sehr schnell vorwärts gekommen waren, konnten wir bereits am späten Vormittag in Marxheim Mittagspause einlegen. Wir hatten es wieder einmal gut getroffen: Zum „Gasthof zur Sonne“ der Fam. Bürger gehört ein Stall und wir bekamen sofort für unsere Pferde kostenlos zwei Boxen, um sie über Mittag schattig unterzubringen. Auch wir fanden unter dem großen Kastanienbaum Schatten und vorzügliche Verköstigung. Der Wirt ist ein passionierter Fahrer und wir hatten ein wenig Gelegenheit zum Fachsimpeln.

Am Nachmittag ging es bei 31°C weiter Richtung Nord-Ost. Herr Bürger hatte uns erzählt, daß wir nach ca. 15 km möglicherweise bei anderen Pferdebesitzern unterkommen könnten. Dort angekommen, sahen wir bald vier Pferde in einem modernen Offenstall bei einem wunderschönen neugebauten Wohnhaus. Die Besitzer, die auf ihrer Terrasse saßen, winkten uns sofort herzlich zu und boten uns spontan ein Quartier für uns und unsere Pferde an. Wir wurden üppig bekocht und haben ein Bad im hauseigenen Weiher sehr genossen.

Nach dem Frühstück am nächsten Tag zogen wir weiter Richtung Wemding. Diese Tagesetappe war mit nur ca. 20 km wesentlich kürzer als die vorhergehenden. Es war ein schönes Gefühl, zum Einkaufen durch den mittelalterlichen Stadtkern zu reiten und die Pferde einfach vor den Geschäften anzubinden. Die Reaktionen der Passanten waren ausnahmslos positiv und erfreut bzw. erstaunt, als wir erzählten, wir kämen zu Pferd aus München. In Wemding selbst wurden wir sehr herzlich von Fam. Steinle aufgenommen, die dort einen Reit- und Fahrbetrieb leitet. Steinles haben sofort für unsere Pferde zwei Boxen geräumt, Heu und Hafer gerichtet und uns zum Schlafen das Reiterstüberl angeboten.

Nach einem unterhaltsamen Abend ging es am nächsten Tag weiter nach Oettingen, wo wir sehr zur Freude der Inhaber des Stadtcafes Mittagspause machten. Die Pferde waren dort eine große Attraktion und wurden von allen Seiten bestaunt und fotografiert. Über Dornstadt und den Oettinger Forst überschritten wir am späten Nachmittag die Bezirksgrenze nach Franken und ritten weiter nach Gerolfingen (Lkr. Ansbach). Dort kamen wir sehr komfortabel bei Fam. Rötter in einem Gästezimmer unter, für unsere Pferde gab es extra eine hausnahe Koppel.

Das Fest

Nach dem Frühstück starteten wir zu unserer letzten Etappe Richtung Lohe b. Dinkelsbühl zum Reiterhof Fraunholz. Dort kamen wir bereits am späten Vormittag an und wurden als erste Teilnehmer des Sternreiter-Treffens herzlich begrüßt. Nachdem unsere Pferde ihren Gastpferdepaddock bezogen hatten, konnten wir uns in Ruhe erholen und anschließend Dinkelsbühl besichtigen. Am Abend (Freitag) begann dann das offizielle Programm des zweitägigen Sternreiter-Treffens mit einem Country-Abend. Bei Life-Musik und verschiedenen guten Gerichten zur Auswahl (auch vegetarisch) konnte man sich kennenlernen, unterhalten und auch tanzen.

Das Frühstück am nächsten Morgen glich dem Buffet in einem Luxus-Hotel und ließ keinerlei Wünsche offen. Am Vormittag konnte man sich wahlweise u.a. geführten Ritten anschließen, Radtouren machen oder einfach nur faulenzen. Wir entschlossen uns dazu, die nähere Umgebung mit unseren Pferden auf eigene Faust zu erkunden. Wir merkten unseren Pferden richtig an, daß Sie nach dem Auflegen der Sättel auf das Gepäck warteten, das wir bisher immer nach dem Satteln aufgeschnallt hatten. Als wir gegen 12.30 Uhr wieder von unserem Ausritt zurückkamen, warteten schon Susannes Eltern, die sich zu einem Wochenende in Dinkelsbühl hatten überreden lassen, mit dem Gespann auf uns. Endlich war Gelegenheit zum Kleiderwechseln, denn obwohl wir fast jeden Tag duschen konnten, war unser Wäschevorrat wegen der Größe der Satteltaschen eher klein.

Nach dem Mittagessen bestand die Möglichkeit, den Reiterpaß abzulegen, verschiedene Trailparcours zu absolvieren, an einer Stadtführung durch das historische Dinkelsbühl teilzunehmen (sehr zu empfehlen!), uvm. Am späten Nachmittag spielte bereits wieder hervorragende Life-Musik in der zur Festhalle umfunktionierten Reithalle. Nach dem Abendessen rüsteten die Teilnehmer des Sternritts schließlich zum Höhepunkt des Tages, dem Fackelritt in die Altstadt von Dinkelsbühl. Leider wurde dieses Ereignis durch den plötzlichen Herztod eines alten Pferdes der Fam. Fraunholz überschattet, so daß während des Rittes selbst die Stimmung etwas getrübt war. Dennoch war der nächtliche Umzug durch die beleuchtete Altstadt mit Fackeln in der Hand und dem Empfang durch den Bürgermeister ein ganz besonderes unvergeßliches Erlebnis.

Am Sonntag fand nach einem weiteren fürstlichen Frühstück ein feierlicher Reitergottesdienst mit anschließender Pferdesegnung durch den liebenswerten schwäbischen Wanderreiter und Pfarrer Bruno statt, der das gelungene Sternreiterteffen abschloß.

Das Sternreiter-Treffen in Dinkelsbühl wurde heuer zum ersten Mal durchgeführt. Ein großes Lob an Elfi und Conny Fraunholz sowie das ganze Team für die hervorragende Organisation. Schade ist allerdings, daß lediglich 50 Reiter daran teilgenommen haben. Insbesondere aus dem Raum Südbayern waren nur sehr wenige Reiter vertreten. Allen übrigen ist ein interessantes und anregendes Wochenende entgangen. So hoffen wir, daß auch nächstes Jahr wieder ein Sternreiter-Treffen im Naturpark Frankenhöhe stattfindet.