Von Wien nach Triest - 3 Wochen TransAlp

Veröffentlicht in 2005

Von unserer Wiener Korrespondentin aus den Saetteln dieser Welt

Von den Alpen ans Meer

Sein Stand in der Arena Nova, Wr. Neustadt, hat mich gleich fasziniert: Horst, der fesche Reit-Ranch-Besitzer aus St. Aegyd/Neuwald zeigte mir Bilder und Karten seiner Reittouren: hohe Berge, Wälder, Almen, …ja, und dann im Herbst, da wollen er und Freund Felix mit einigen Gästen nach Triest reiten! „Mach doch mit!“ - „Mal sehen, schön wär’s!“


Im Juni, auf zwei Rundritten durch die grandiose Gebirgslandschaft der Voralpen war mir klar: Mit den zwei Burschen kannst Du’s wagen.
Zimperlich bin ich nicht, körperlich fit schon, und vor allem ist mein kleiner Schimmel top-zuverlässig und erfahren, 500 km in 3 Wochen, das schaffen wir.
September 2005:
Es ist soweit: Im großen Mercedes Bus mit Hänger ist unser Gepäck verstaut, Bertl wird ihn fahren, und er wird auch für uns kochen. Horst (Quarter-Mix), Felix (Pinto), 6 Damen: Sigrid, Helga, Marion und Gitte auf Horsts Pferden (Isi, Shagya, Appaloosa und Connemara) Ursula (Warmblut) und ich (Araber Sini) werden reiten.

Mit vielen frommen Worten und viel Schnaps verabschiedet man uns, dann geht’s los, 36 km nach Mariazell. Durch die Steiermark reiten wir fast nur Wald- und Wiesenwege hoch über den Tälern oder auf Radwegen, die sich überall die Hauptstraße entlang nach Süden ziehen. Es ist trocken und sonnig und es geht flott voran.

Wir schlafen entweder in Reitanlagen in Zelten, die Pferde auf Koppeln oder bei Bauern auf Wiesen, wo wir sie mit E-Bändern sichern. Morgens, immer schon um ½ 6 Uhr, schrillt mein Wecker. Da ist es noch stockdunkel und eiskalt. Mit Hilfe der Stirnlampe muss gepackt, das (glitschnasse) Zelt abgebaut, Taschen zum Auto geschleppt werden. Dann bekommt Sini Wasser, Heu, Kraftfutter (je 5 l Müsli), um 7 Uhr gibt’s Frühstück, dann werden die Bänder und Zaunstangen verstaut, die Pferde gesattelt, um ½ 9 Uhr reiten wir los.

So zwischen 15 und 17 Uhr erreichen wir immer unser Ziel. Natürlich wird zuerst das Pferd versorgt, eingedeckt, Wasser, Futter (wieder 5 l Müsli), Heu geschleppt, der Zaun aufgebaut, dann das Zelt,…und fast immer liegt unser Quartier so wunderschön in der Landschaft, dass ich noch herumlaufe, um Abendstimmungsfotos zu schießen. Um 19 Uhr ruft Bertl zum Essen, dann geht’s meist noch feucht-fröhlich zu.

Nach je 3 Tagen ist ein Rasttag eingeplant, der erste in Traboch bei Leoben. Eindrucksvoll dort sind die riesigen Koppeln hoch über dem Tal, der blitzblanke Stall, in dem Sini eine Box beziehen darf (wir sind vom Gewitterregen durchweicht), und vor allem die Familie Kern, die uns all ihre Anlagen, Reiterstübchen, Dusche im Haus,…zur Verfügung stellt, und sich für all ihre Mühen und Kosten nichts bezahlen lässt. Hoch über dem Murtal geht’s weiter durch idyllische Landschaft und gepflegte Dörfer. Unser Bauernhof am Obdachsattel ist Natur-pur. Bertl hat seine Küche zwischen Gerümpel im Schuppen aufgebaut, Sanitäranlage ist der Wald, unser aller Schlafplatz eine große Wiese. Der kalte Wind und die dunklen Regenwolken dämpfen die Stimmung. Bin ich froh über meine Daunenjacke und Sinis wasserdichte Decke.

Die nächsten 4 Tage regnet es ununterbrochen. Gut, dass da unser Rasttag hineinfällt. Wir verbringen ihn im mit allen Annehmlichkeiten (Zimmer, Restaurant, Boxen, Heizraum zum Trocknen) ausgestatteten Reiterhof Stückler im Lavanttal. Wir beschließen, auf dem Radweg zu bleiben, und wenn wir uns doch in die Landschaft wagen, gibt’s Matsch und Zoff: Kettenhunde und ein Hengst, der sein dünnes Zaunband zerreißt, bedrohen uns – und am Abend auch ein Bauer, der uns zurück auf die Hauptstraße und somit auf einen langen Umweg schickt. Am 11. Tag sind wir schon ganz nahe der slowenischen Grenze, in einem idyllischen Einzelgehöft in Proboj, untergebracht. Dort werden uns riesige Koppeln, der Heizkeller für’s Gewand und sogar das Haus zum Übernachten angeboten, gratis.

Die Seeberg-Passstraße ist kaum befahren. An der slowenischen Grenze hat Bertl schon unser amtstierärztliches Zeugnis vorgezeigt, so sind wir bald, nach 5 km Bergabmarsch, am Tagesziel: einem Campingplatz am kleinen See. Ein Fleckchen blauer Himmel gibt uns Hoffnung, aber auch am nächsten Tag ist es wieder eiskalt und grau in grau. So sitzen wir den ganzen lieben Rasttag lang in der warmen Wirtsstube dort. Unglaublich, am nächsten Morgen ist der Himmel strahlend blau. Wir reiten durch herrliche Gebirgslandschaft, manchmal auf Straßen, aber meist über Wiesenwege.

Am 18. Tag müssen wir lange Serpentinen bergab, rechts Leitschienen, links donnern LKWs mit Haaresbreite Abstand vorbei, dann führen wir die Pferde ein steiles Sträßchen hinunter in „unser“ Dorf: die laue Luft, die kleinen Steinhäuschen, reife Feigen auf unserer Koppel - .alles ist so typisch mediterran! Wie schön!! Sini stürzt sich auf saftige Kräuter unter knorrigen Bäumen, und wir werden mit Schinken, Wein und einem Volkstanz verwöhnt. Überall in Slowenien werden wir herzlich aufgenommen, bewirtet, unterhalten. Wir reiten durch historische Festungen und Dörfer, denn wir sind am uralten Handelsweg: Wien - Triest.

Am 20. Tag, 5 Uhr morgens krieche ich aus meinem Zelt, um noch mal bei Laternenschein durch die alte Festung Volcji Grad zu laufen. Sie ist so romantisch! Da höre ich Donner. Das gibt’s doch nicht! Und doch! Schnell zurück, Taschen versorgen und Zelt abbauen. Zu spät, der Regen prasselt nieder. Wir reiten über steinige Wege und manchmal quer durchs öde Gras- und Buschland, dann über die italienische Grenze bis Sistiana. Im Reitstall dort herrscht Aufregung, die Regenflut hat den Springplatz zum See gemacht. Darüber dürfen wir die Pferde stellen. Der Boden dort ist bald darauf lehmiger Morast. Obwohl das kleine Hotel daneben teuer ist, will trotzdem keiner im Zelt schlafen.

Am Morgen des letzten Tages: „Hurrah! Die Sonne scheint“. Wir reiten die letzen 7 km bergab zum Meer. (Dort haben Horst und Felix schon bei der Erkundigungstour mit dem Auto einen Strandabschnitt für uns gefunden.)

Hinein ins Wasser… die Pferde versuchen immer wieder zu trinken, verstehen die Welt nicht mehr…Für uns gibt’s Sekt und Glückwünsche. Dann entledigen wir uns der Anoraks und Pullover. Da kommt mir eine Idee: Schuhe aus, Sattel runter, und Sini watet mit mir brav bis zum Bauch ins Meer. Felix hat seine letzte Karte eingepackt. Er hat’s soo gut gemacht. Nur wer jemals selbst geführt hat, weiß, wie anstrengend das ist. Er hat optimale Wege gewählt und auch gefunden. Er hat mit seiner umgänglichen Art immer für Spaß und gute Stimmung gesorgt.

Am 22. Tag morgens bringt uns ein riesiger Transporter der Firma Holler sicher zurück nach St. Aegyd.

Danke an alle, und bis zum nächsten Ritt in die Ferne!
Info: www.maho-pferde.at oder www.gemareiten.at