Vom Kaiser ins Pinzgau

Veröffentlicht in 2006

Mit dem Pferd vom Wilden Kaiser ins Pinzgau Die Einladung von Peter van der Guggten, doch mit nach Venedig zu reiten, war sehr verlockend, aber ich habe fuer 2006 schon so viele Plaene, dass ich absagen muss. Aber warum nicht ein paar Tage mitgehen, dann umdrehen und wieder zurueck, um dann eine Woche spaeter ausgeruht nach Waldmuenchen zu reiten? Ein paar Telefonate spaeter steht der Plan: Ich komme mit von Kufstein bis ins Pinzgau, dann gehen die drei Venedigreiter alleine weiter und ich kann tun, was ich will. So treffen wir uns am Sonntag, den 23.7. in Oberaudorf bei den Angerers und ziehen Montags los Richtung Kufstein und weiter. Schon nach einer Stunde am Inn entlang sind wir in Schachen und biegen ins Kaisertal ein. Der Weg geht sofort sehr steil bergauf, ca. 300 Hm ueberwiegend auf Stufen bis zum Vehlenhof, wo man auf die Forststrasse Richtung Hinterbaerenbad kommt. War ich anfangs noch sehr skeptisch ob mein Haserl und ich mit fuer eine solch Tour austrainierten Pferden mithalten werden, sehe ich mit der Zeit ein, dass ich nicht ganz schlecht in Form bin – nach dem Aufstieg ins Kaisertal darf ich erstmal richtig warten, die Rote grast gelassen.

Ich will sie erst gar nicht gross mit den anderen vertraut werden lassen, damit sie nicht traurig wird, wenn wir uns von den anderen verabschieden. Flott geht es auf der Schotterstrasse sonnseits ueber Wald und Alm zum Talschluss – als ich die Strecke mal vor zig Jahren zu Fuss gegangen bin, war es ein elendig langer Haatsch. Bei Hinterbaerenbad gibt es Getraenke und eine Graspause, dann beginnt der zaehe Aufstieg zum Stripsenjochhaus. Ich mag nicht bei jeder Kehre warten und bin bald weit vor den anderen. Als ich oben an der Strips ankommen, ist dort das Staunen gross – seit dem Krieg sei das keiner mehr mit Viehern hochgegangen. Bis der Rest der Gruppe keuchend und schwitzend ankommt, hat die Meine schon alles Gras abgefressen und steht trocken da.

Der Abstieg nach Griesenau verlaeuft unspektakulaer, die Touris werden freundlich gegruesst und stehengelassen. An der Griesenauer Alm noch mal grasen und dann marschieren wir zum Kutscherhof, wo man uns freundlichst aufnimmt. Der naechste Morgen sieht uns Teer treten bis Mittag, als wir endlich Kitzbuehel passiert haben und bei Aurach ins Wildalmtal abzweigen. Dort kommt bald der harte Aufstieg zur Hochwildalm und weiter uebers Henlabjoch ins Pinzgau. Wieder laufe ich den anderen bergauf voraus, mein Pferd setzt wie eine Gams ueber alle schwierigen Stellen. Die Packtaschen sitzen gut, nur beim Bergabgehen bildet sich vor dem Gurt am Ellbogen eine kleine Falte, die in sich etwas scheuert. Mein Labello-Stift sorgt fuer Schmierung, trotzdem ist eine daumengrosse Stelle haarlos. Die Haut haelt aber gut, es geht weiter. Nach einer nassen Almwiese kommen wir zur Forsthofalm, einem selten netten Fleck Erde am Talschluss westlich von Lengau. Es gibt eine feine Brotzeit und der Jaeger zeigt uns ‘’seine Gamsen'’ - er freut sich mit uns ueber den schoenen Tag und die feinen Pferde. Die haben wir mangels Alternative auf die Alm entlassen. Weit koennen sie nicht, aber hoch… Wir schlafen im Heu, gelegentlich schaut ein Pferd durch den niedrigen Eingang, schoener kann man es eigentlich nur haben, wenn man sein Heubett nicht im Dunklen bauen muss. ;-) Das Leben auf so einer Alm ist auch deshalb so gesund, weil man viel in Bewegung ist, und das an der frischesten Luft. Das erleben wir am Morgen, als nur das Pferd von Peter vor uns steht - von den anderen dreien ist nichts zu sehen. Wenn man so am fruehen Morgen gleich mal ein paar Hoehenmeter extra geht, meditativ in sich versunken, kann der Tag nicht schlecht werden. Wir satteln und fruehstuecken eine Stunde spaeter, bevor wir uns in Richtung Sommertor aufmachen. Nach einem recht dankbaren Aufstieg zu einem ersten Joch gehen wir auf einem spektakulaeren Steig auf etwa Hoehe 2000 m um den halben Berg herum zum naechsten Uebergang, dem Sommertor. Das mit dem ‘’Tor'’ ist auch woertlich zu verstehen, ein Durchbruch in der huefthohen Mauer, die in Jahrhunderten beim Abklauben der Almen entstand, jetzt mit Stacheldraht gesichert. Dahinter eine sehr neugierige Herde von sehr huebschen Pinzgauer Kuehe mit ihren Fuchsfarben. Und dahinter ein gewaltiger Ausblick in die Hohen Tauern.

Wir rasten und geniessen, bevor wir uns an den Weg ins Tal machen, einem steilen Kniescheibenschnackler von 1200 Hm auf Forststrassen und Almstrassen. Im Tal ist es 10 Grad heisser als oben, aber Gott sei Dank finden wir bald eine Wirtschaft, wo wir uns hinterm Haus im Schatten auf den Boden setzen, waehrend die Pferde um uns herum stehend schlafen. Aber noch wartet eine Stunde Teertreten bei drueckender Hitze auf uns, die wir irgendwann eher lustlos angehen. Bei Wirt in Uttendorf angekommen koennen wir die Pferde gleich auf der anderen Strassenseite versorgen, die Stallungen sind leer, weil das Vieh noch gesoemmert wird. Mit dem gutem Heu und ordentlich Kraftfutter werden die Pferde die Anstrengung verkraften. Besuch aus Neuenkirchen war schon angekuendigt, Hanspeter Gantner bringt fuer die Venedigreiter ein paar gute Karten und Wegeempfehlungen mit und wir machen uns einen schoenen Abend. Es ist ja auch mein letzter mit Pat, Peter und Szabo, mit dem ich mir dann noch ein sauberes Hotelzimmer teile. Heute drehe ich um und will ueber den Pass Thurn nach Kitzbuehl und bei Reith uebernachten. Weiter soll es ueber Going wieder in den Wilden Kaiser zurueck und am Scheffauer vorbei nach Kufstein gehen, um am Inn wieder nach Bayern zu kommen, wo mein Gespann geparkt war. Als ‘’meine'’ Venediger'’ ihren ersten Halt haben, verabschiede ich mich und gehe einfach weiter. Ohne zu zoegern verlassen wir die drei, mit denen wir doch die letzten Tage so toll geritten waren. Wir sind schoen zusammen geritten, aber in zwei Tagen will ich wieder zu Hause sein, um fuer Waldmuenchen so viel Regeneration wie moeglich zu haben.

Ueber den Pass Thurn fuehrt ein sehr schoener breiter Weg fern vom Verkehr, nur zum Teil geteert und wirklich flott zu reiten. In Jochberg laufe ich an der Strasse entlang und denke gerade an etwas zu trinken, als mich ein netter Hof mit einem Paddock wie magnetisch anzieht. Bei den Pferdefreunden bekommt mein Hase satt Futter, ich darf sie abwaschen, sie bekommt ein Fliegendaeckerl… Ich werde durchgefuettert und darf Wasser trinken so viel geht - ein Muss bei 35° C. Die freundliche Einladung, doch ueber Nacht zu bleiben, schlage ich dann doch aus, ich will noch an Kitzbuehl vorbei und etwa bei Reith ein Quartier suchen. Das tue ich einige Stunden spaeter, als ich in der letzten Daemmerung im letzten Hof am Ort nachfrage, ob ich vielleicht… Das junge Maedel, zum ersten Mal von den Eltern allein am Hof gelassen, kommt sichtlich in Panik und schickt mich im Dunkeln weiter. Nach einer Stunde neben der Strasse komme ich doch noch unter, Alex aus Kitz hatte mich mit dem Auto begleitet, den Weg und mich mit den Nebelscheinwerfern ausgeleuchtet. Ich beziehe eine Ferienwohnung mit mindestens 7 Zimmern und dann geht’s nach Kitz, wo wir ein bisserl abhaengen, bis es mir die Augen mit Gewalt zudrueckt.

Ich bin gut ausgeschlafen am naechsten Tag, als ich ueber Going und Scheffau in den Kaiser gehe und ueber die Haflinger Traenke zum Hintersteiner See und weiter auf den alten Wanderweg nach Kufstein reite und fuehre. Dort geht es ein ganzes Stueck so bergab, dass es prickelt, und das beste Pferd von allen klettert mit Ruhe und Sicherheit die Stufen und Wurzelstoecke runter, etwa 250 Hm, von denen in der Karte nichts zu sehen ist. Als ich aus dem Wald komme, laufe ich dem Bauer in die Arme, der dort seinen Hof hat. Ich muss ein Schnapserl mit ihm trinken, noch nie waere da einer mit Ross runter, und so ein feines dazu… Bei der Locherer Kapelle schlage ich drei Kreuze und bin kurz danach wieder im Tal bei Kufstein. Ein Gewitter braut sich zusammen, es windet, donnert und rumpelt ungemuetlich. Schnell bin ich wieder am Eingang des Kaisertales, der Kreis hat sich geschlossen. Eine SMS an die Vendiger muss sein, dann trabe ich froehlich am Inn entlang, das Gewitter immer dicht hinter mir, marschiere in Oberaudorf in den Hof, mache Pferd und Haenger klar und bin binnen 15 Min. startklar. Als es zu regnen anfaengt, lade ich ein und fahre planmaessig nach Hause.