Ich bin dann mal weg…

Veröffentlicht in 2008

…sagte ich vergangenen Sommer zu meinen Arbeitskollegen. Allerdings machte ich mich dann nicht wie Hape Kerkeling auf zu einer Pilgerreise. Naja, irgendwie doch. Denn der Wanderritt von Freising (30 km entfernt von München) bis nach Waldmünchen (ziemlich direkt an der tschechischen Grenze) ist inzwischen so was Ähnliches. Seit inzwischen 30 Jahren treffen sich routinierte und weniger routinierte Reiter Anfang August, um in 6 Tagen mit ihren Pferden die gut 250 Kilometer lange Strecke zurück zu legen. Die fast 100 Reiter und der Tross treffen sich in dieser Zeit eigentlich nur morgens und abends im Quartier, denn die Teilnehmer sind je nach Lust und Laune in Gruppen von zwei bis 20 Reitern unterwegs. Nur die Mittags- und die Abendstation sind vorgegeben, die Strecke sucht sich jeder selbst. Ich hatte das Glück, mit zwei wirklich routinierten Wanderreitern nach Waldmünchen reiten zu dürfen und durfte dazu noch mit dem besten gefleckten Islandpferd der Welt unterwegs sein (an dieser Stelle noch mal herzlichen Dank an Susanne und Stefan für diese unvergessliche Woche!!!).

Ich habe jetzt schon bestimmt zehn Mal versucht, einen Bericht über diesen Waldmünchenritt zu schreiben, aber es ist so viel schönes, so viel interessantes in dieser Woche passiert, dass da ein ganzes Buch werden würde (Hape Kerkeling ging’s wohl genauso – nur dass er das Buch tatsächlich geschrieben hat).

Hier also nur ein paar Highlights und Erkenntnisse, die ich in dieser Zeit gewonnen habe:

1. 50 Kilometer sind gar nicht so weit.
Die Streckenlänge war eigentlich das, was mich am meisten abgeschreckt hat und weswegen ich eigentlich gar nicht nach Waldmünchen reiten wollte. Schließlich bin ich einmal einen 40 km-Distanzritt geritten und das war für mich damals mehr als genug. Doch wir sind recht flott geritten, kamen durch wunderschöne Gegenden, sind immer mal eine Zeit zu Fuß gegangen, aber auch mal eine halbe Stunde auf herrlichsten Wegen an der Donau entlang galoppiert. Kurz: 50 Kilometer im richtigen Tempo sind kürzer als 20 Kilometer im falschen!

2. Es lebe die Ikea-Tüte
Die Zeit der kleinen Heuballen neigt sich dem Ende zu. Was uns während der Heuzeit freut, ist an der Abendstation ein Problem. Wie bekomme ich ohne Heugabel eine große Portion Heu zu meinem Paddock, ohne, dass es mich noch Stunden später juckt? Die Antwort ist groß, blau und stammt von Ikea. Die Ikea-Taschen fassen eine große Portion Heu, lassen sich angenehm tragen und ohne Probleme hinterher wieder im Anhänger verstauen.

3. Nicht zu viele Reithosen mitnehmen
Was nimmt man mit, wenn man mindestens 6 Tage am Stück reitet? Bislang hatte sich mir die Frage noch nie gestellt. Also packte ich neben den VFD-Saar-Jubiläums-T-Shirts (ich weiß ja schließlich, was sich gehört), auch drei Reithosen ein. Für die Abende hatte ich noch eine Jeans und eine kurz Hose dabei. Ergebnis nach einer Woche Wanderritt: Eine Reithose hat völlig gereicht, aber mit meiner Jeans hätte ich mich eigentlich nirgendwo mehr blicken lassen können. Für die neue Saison habe ich mir daher nur eine Reithose gekauft, die auch quartiertauglich ist. Mal schauen, ob das eine gute Lösung ist.

4. Nichts geht über einen guten Tross
Das ist eigentlich nichts Neues, aber die Waldmünchner Trossfahrer sind wirklich Extraklasse!!! Die fast 15 Jungs und Mädels bewegen um die 60 Gespanne jeden Tag, fahren sie vom Start zum Ziel der jeweiligen Etappe. Ohne sie wäre der Ritt so nicht möglich gewesen! Danke Jungs!

5. Ich muss noch viel lernen
Das war auch schon vorher klar. Aber auf jeden Fall muss ich mir eine bessere Kondition zulegen. Denn kaum war abends der Isi versorgt und das Abendessen verputzt, gingen bei mir langsam aber unaufhaltsam die Lichter aus. Und während die anderen noch gemütlich am Lagerfeuer saßen, schlief ich bereits tief und fest. Immerhin: Morgens war ich pünktlich fit, so dass wir stets spätestens um 8 Uhr wieder losreiten konnten.

Fazit: Der Waldmünchenritt war einfach klasse – aber es gibt noch viel mehr zu erleben. Ich muss einfach nur länger wach bleiben :-)

Verena